Kontakt
Apotheker Ibrahim Fadel
Kortumstr. 103, 44787 Bochum
0234 16220 0234 16220

Kontakt speichern

Für Sie gelesen

Therapie-ABC: Wie EMDR, DBT, ACT & Co. helfen können


Bild: Clique Images/Westend61/dpa-tmn

Wer sich mit Psychotherapie beschäftigt, stößt schnell auf eine Vielzahl an Abkürzungen und Fachbegriffen wie EMDR, DBT, ACT, Hypno- oder Schematherapie. Das kann im ersten Moment überfordern. Manchmal entsteht auch der Eindruck, dass hinter den Begriffen völlig unterschiedliche Therapieformen stehen. 

Tatsächlich beschreiben sie aber keine Alternativen zu Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologischer Psychotherapie, sondern meist Bausteine, die Therapeutinnen und Therapeuten gezielt kombinieren. 

«Es sind spezielle Methoden, die innerhalb eines psychotherapeutischen Verfahrens eingesetzt werden können», erklärt Christina Jochim, psychologische Psychotherapeutin und Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung (DPtV). Die Methoden ergänzen die Therapie gezielt – je nach Erkrankung, Anliegen und individuellem Bedarf.

Werden diese Methoden im Rahmen einer kassenärztlichen Psychotherapie eingesetzt, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel die Kosten – vorausgesetzt, die Behandlung erfolgt innerhalb eines anerkannten Richtlinienverfahrens. Häufigkeit und Dauer richteten sich dabei nach den Vorgaben des jeweiligen Therapieverfahrens, so Samy Egli, Psychotherapeut und leitender Psychologe am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München.

Doch welche Methode eignet sich wofür? Fünf Verfahren im Überblick:

1. EMDR: Eye Movement Desensitization and Reprocessing 

EMDR (deutsch: Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen) wird vor allem bei posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) eingesetzt. Studien deuten laut Christina Jochim auch auf eine Wirksamkeit bei Ängsten und Depressionen hin, wenn die Beschwerden an konkrete belastende Situationen gebunden sind. 

Betroffene kehren dabei in Gedanken zur belastenden Situation zurück, um sie in sicherer Umgebung emotional neu zu bewerten. Typisch ist folgendes Vorgehen: Eine Patientin erinnert sich im geschützten Rahmen an eine traumatische Erfahrung, gleichzeitig führt der Therapeut oder die Therapeutin mit dem Finger die Augenbewegungen der Patientin an.

Dabei folgen die Augen einer gleichmäßigen Bewegung von links nach rechts. Die Methode basiert unter anderem auf Annahmen aus der REM-Schlafforschung, da dort ähnliche Augenbewegungen die Verarbeitung von Erinnerungen unterstützen, so Jochim. 

Erste Verbesserungen zeigen sich häufig schon nach wenigen Sitzungen. Durchgeführt werden kann EMDR laut Jochim von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit entsprechender Zusatzqualifikation – meist im Rahmen der Verhaltenstherapie, aber auch in tiefenpsychologisch fundierten oder analytischen Verfahren.

2. DBT: Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT)

Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) wird laut Samy Egli vor allem bei Borderline-Persönlichkeitsstörungen eingesetzt, insbesondere bei Problemen mit Emotions-, Beziehungs- und Interaktionskontrolle. 

«Also alles, was mit Impulskontrolle zu tun hat», sagt Christina Jochim. Inzwischen wurde die Methode weiterentwickelt und wird auch bei Suchterkrankungen, Trauma oder ADHS eingesetzt.

Zentrale Grundlage ist laut Samy Egli die Dialektik von Akzeptanz und Veränderung: Gefühle werden anerkannt und gleichzeitig gezielt bearbeitet.

Wie DBT konkret abläuft, richtet sich laut Christina Jochim nach dem individuellen Leidensdruck. Gemeinsam ist allen DBT-Behandlungen jedoch das systematische Training von Achtsamkeit als zentrale Grundlage der Therapie.

Das Achtsamkeits-Konzept stammt ursprünglich aus dem Buddhismus und zielt darauf ab, das Hier und Jetzt wertfrei wahrzunehmen. Wer innerlich einen Schritt zurücktritt, kann bewusster entscheiden, welche Reaktionen langfristig hilfreich sind.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Umgang mit Anspannung: «Je höher das Anspannungsniveau, desto eher neigt man dazu, Regulation zu verlieren», erklärt Jochim. Ziel ist es, Anspannungen rechtzeitig zu erkennen und mit Methoden der Emotionsregulation frühzeitig gegenzusteuern, bevor der sogenannte «rote Durchknallbereich» erreicht wird. Gerade bei Menschen mit Borderline-Störung ist das laut Jochim relevant, da sie im Alltag oft ein dauerhaft höheres Anspannungsniveau haben.

3. ACT: Akzeptanz- und Commitment-Therapie

Die Acceptance and Commitment Therapy (ACT) ist eine Methode aus der Verhaltenstherapie, die laut Samy Egli unter anderem bei Depressionen, Angststörungen und chronischen körperlichen Erkrankungen eingesetzt wird. 

Schwerpunktmäßig soll sie helfen, schwierige Gefühle und Gedanken zu akzeptieren, statt sie bekämpfen oder verändern zu wollen, erklärt Christina Jochim. Während die klassische kognitive Verhaltenstherapie stark auf die Veränderung von Denkmustern abzielt, setzt ACT dort an, wo Veränderung begrenzt möglich ist, etwa bei Verlusten oder chronischer Belastung. 

Ein zweiter zentraler Baustein ist die Arbeit mit persönlichen Werten: Es gehe darum, «sich seiner Werte bewusst zu werden und sich stärker daran zu orientieren», erklärt Jochim. 

Studien zeigen, dass eine Diskrepanz zwischen gelebten Werten und Alltagshandeln zu geringerer Lebenszufriedenheit und höherer psychischer Belastung führt. ACT unterstützt dabei, Werte bewusst zu erkennen und entsprechend zu handeln. 

4. Hypnotherapie

Die Hypnotherapie ist eine Methode, die vor allem darauf abzielt, innere Ressourcen freizulegen und Veränderungen anzustoßen. «Die typische Technik ist Trance oder Vorstellungsübungen in Entspannung», so Samy Egli. 

Einsatzgebiete sind unter anderem Suchterkrankungen – nachgewiesen etwa für die Raucherentwöhnung – sowie die psychotherapeutische Begleitung bei somatischen Erkrankungen. 

In der Hypnotherapie wird ein Zustand tiefer Trance genutzt, der über reine Entspannung hinausgeht. «In diesem Zustand werden innere Bilder, Erinnerungen und Ressourcen aktiviert, um Veränderungsprozesse anzustoßen», so Christina Jochim. Die Aufmerksamkeit richtet sich nach innen, Gefühle und Körperwahrnehmungen werden intensiver erlebt – so wird Veränderung greifbarer und lässt sich besser im Alltag verankern. 

Die Methode kann im Rahmen der Verhaltenstherapie eingesetzt werden, wird jedoch laut Jochim häufig als Selbstzahlerleistung angeboten. Krankenkassen übernehmen die Kosten – etwa bei der Raucherentwöhnung – in der Regel nicht. 

Bei der Hypnotherapie ist es besonders wichtig, auf die fachliche Qualifikation und gegebenenfalls eine Kassenzulassung der Anbieter zu achten. Hypnotherapie sollte ausschließlich von approbierten Psychotherapeutinnen oder Psychotherapeuten durchgeführt werden, rät Jochim.

5. Schematherapie

Die Schematherapie richtet sich laut Samy Egli vor allem an Menschen mit Persönlichkeitsstörungen oder chronischen Krankheitsverläufen, etwa bei Depressionen. 

Im Mittelpunkt stehen sogenannte Schemata – tief verankerte Lebensmuster, die sich aus frustrierten psychischen Grundbedürfnissen entwickelt haben.

Eine zentrale Technik der Schematherapie ist laut Egli der sogenannte Modusdialog auf Stühlen. Dabei werden unterschiedliche innere Anteile – etwa verletzte, wütende oder schützende Seiten – räumlich voneinander getrennt, indem für jeden Modus ein eigener Stuhl genutzt wird. Betroffene wechseln zwischen den Stühlen und kommen so gezielt mit diesen inneren Anteilen in Kontakt. 

Ziel ist es, festgefahrene Reaktionsmuster besser zu verstehen, Gefühle differenzierter wahrzunehmen und neue, hilfreichere Handlungsweisen einzuüben.


Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
(14.04.2026)